Zur Geschichte der Kirchengemeinde Curau

Der Ort Corowe (auch Curow, Kurowe), wahrscheinlich wendischen Ursprungs, wird urkundlich zuerst im Jahre 1210, die Kirche im Jahre 1259 genannt.

Da das Gotteshaus nach seinen baulichen Merkmalen zu den Vicelinskirchen gehört, kann man mit einiger Bestimmtheit annehmen, daß der Anstoß zum Bau der Kirche in Curau durch Vicelin selbst erfolgte. Sein Nachfolger Gerold (1155 vom Papst zum Bischof geweiht) wird die Kirche selbst geweiht, in ihr die erste Messe zelebriert und die erste Predigt gehalten haben. Jedenfalls wird das Kirchspiel Curau bei der Verlegung des Bischofssitzes von Oldenburg nach Lübeck durch Gerold 1160 bereits erwähnt.

Die Kirche lag auf einem Hügel inmitten des Dorfes, wahrscheinlich an der Stelle einer früheren Slawenburg. Rings um die Kirche wurde der Friedhof, nach Dorfschaften eingeteilt, angelegt.

Die Ausdehnung des Kirchspiels Curau wird stets dieselbe gewesen sein. Die heute zum Kirchspiel gehörenden Dörfer finden bereits bis zum Jahre 1350 urkundliche Eintragung: Curau 1210, Cashagen 1320, Obernwohlde 1320, Arfrade 1336, Dakendorf 1346, Böbs 1350, Krumbeck 1350, Dunkelsdorf 1353, Malkendorf 1365, Dissau 1368. Dazu kommen Vorwerke und Einzelgehöfte wie Schwinkenrade, Schönkamp, Bockhof, Krumbecker (früher Obernwohlder) Hof und andere.

Hinsichtlich der Obrigkeit hatten alle Dörfer des Kirchspiels ein wechselhaftes Schicksal. Fast alle Ortschaften gehörten um das Jahr 1400 geistlichen Stiftungen in Lübeck und Ahrensbök. So war zum Beispiel bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts Curau geteilt in einen lübschen Anteil (Kurau) und einen oldenburgischen (Curau). Kurau wurde im Jahre 1392 vom holsteinischen Grafen Gerhardt VI. an das Heiligengeisthospital in Lübeck verkauft, ebenso Dissau und der Obernwohlder Hof. Schönkamp und Umgebung dagegen gehörte seit dem Jahre 1418 (zusammen mit Dakendorf und einem Teil von Cashagen) zum Kloster Ahrensbök, woraus der fürstliche Teil (Curau) entstand.

Bis zur Reformation bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts blieben die Verhältnisse in der Kirchengemeinde im wesentlichen unverändert. Die Reformation setzte sich in diesem Raum sehr spät durch. Im Jahre 1565 hob Herzog Johann das Kloster Ahrensbök auf, nahm die Güter für sich und ließ sie als das Amt Ahrensbök verwalten. Dieses Amt wurde gebildet durch die Kirchspiele Ahrensbök, Curau, Grussau und Süsel. Damit war der Sieg der lutherischen Lehre entschieden. Weil das Bistum Lübeck in eine weltliche Herrschaft umgewandelt worden war, nahm der Landesherr die Episcopal- und Patronatsrechte in Anspruch, unter anderem auch das Recht, Prediger einzusetzen.

Als letzter katholischer Priester wird im Jahre 1504 im Ahrensböker Klostererdbuch Hinrich erwähnt. In den Wirren der Reformationszeit scheint die Pfarrstelle lange unbesetzt gewesen zu sein. Im Jahre 1580 kam der Mecklenburger Johann Leonysius nach Curau. Er blieb nur bis zum Jahre 1588, "da es ihm zu wenig war, einen Landpriester vorzustellen". Diese Haltung scheint eine Ausnahme gewesen zu sein, denn viele der nachfolgenden 17 Pastoren blieben 25, ja 30 Jahre in Curau im Amt. Einige von ihnen, zum Beispiel Pastor Dr. Christian Greiß (in Curau 1917 bis 1928) waren literarisch tätig.

Aus den Geschehnissen seit der Reformation seien folgende herausgegriffen: Im Jahre 1662 wurde das Predigerhaus durch Brand zerstört, wobei alle Kirchenbücher, mit Ausnahme eines vom Organisten in plattdeutscher Sprache geführten, verbrannten. Erhalten blieben nur die Grundmauern und der Turm (bis 1823). Im Jahre 1683 entschloß sich Herzog Johann Adolf von Holstein-Plön zu einem Neubau der Kirche. Der Grundstein wurde am 27. März 1683 gelegt, am 2. Dezember wurde die Kirche vom damaligen herzoglich-plönischen Hofprediger Joachim Schmidt geweiht.

Während der dänischen Zeit wurden auf Betreiben des Ministers Bernstorff die landesherrlichen Domänen, also auch Curau, Dakendorf usw. parzellenweise verkauft oder in Erbpacht gegeben, sodaß die bisher fronpflichtigen oder leibeigenen Insassen Freiheit und Grundeigentum erhielten.In jener Zeit traf Curau ein schwerer Schlag. Bei einer großen Feuersbrunst am 21. Mai 1772 brannte auch das 1767 neu erbaute Pastorat mit allen Kirchenbüchern nieder. Nur wenige Register können bis zum Jahre 1741 zurückgeführt werden.

Im Jahre 1827 wurde dieses Unglück noch übertroffen, denn am 24. Juli brannten Kirche und Turm vollständig aus. Nur die äußeren Mauern blieben fast unbeschädigt stehen. Von der dänischen Regierung wurde eine allgemeine Kirchen- und Hauskollekte in den deutschen Landen (Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg) bewilligt, die etwa 20 000 Mark eintrug. Mit diesen und anderen Mitteln wurde die heutige Kirche bis zum Jahre 1829 erbaut. Bis zum Dezember 1827 wurden die erhalten gebliebenen Mauern der Kirche - um drei Fuß erhöht - wieder unter Dach gebracht. Riß und Anschlag zum Aufbau der Kirche und eines neuen Turmes wurden vom Stadtbaumeister Börm in Lübeck angefertigt. Im Laufe des Jahres 1828 wurde mit dem Innenausbau begonnen, der im Frühjahr 1829 so weit vollendet war, daß am 5. April 1829 die Kirche wiedergeweiht und der erste Gottesdienst gehalten werden konnte. Während des Sommers 1829 wurde der Innenausbau vollendet. Der Turm wurde bis auf die Grundmauern abgetragen, neu errichtet und mit Kupferplatten gedeckt. Dies war eine erhebliche Verbesserung gegenüber der Bedachung des alten Turms mit geölten Holzschindeln.

Im Jahre 1829 wurden auch die Verträge mit dem Orgelbauer Kuhn in Segeberg wegen der für 1100 Mark zu liefernden neuen Orgel mit 19 Registern sowie mit dem Stadtglockengießer Hirt in Lübeck über zwei neu zu gießende Glocken ausgefertigt. Zuvor war eine Glocke der vormaligen Burgtorkirche in Lübeck angekauft worden, die 1704 von Caspar Hinrich Castel in Lübeck gegossen worden war und 885 Pfund wog.

Die am 21. November 1830 eingeweihte und von Sachverständigen als gut befundene Orgel erwies sich bereits 1860 als fast unbrauchbar. Mit ihren Orgelbauern hatte die Kirchengemeinde nicht das größte Glück. Bereits 1791 wurde die Orgel gründlich repariert. Zuvor war diese aus handwerklichem Eigennutz anderthalb Töne zu hoch gestimmt worden. Um an dem teuren Matrial für die Orgelpfeifen zu sparen, waren diese kürzer und damit in der Tonlage höher gefertigt worden. Seit dem Jahre 1867 steht die jetzige Orgel, ein Werk der berühmten Orgelbauer Marcussen und Sohn in Apenrade. Auch die drei Glocken stammen aus jener Zeit.

1850 wurde der neue Friedhof eingeweiht und 1911 erweitert.

Die Glocken wurden nach 1945 neu beschafft, ebenso die Turmuhr, bei dren Beschaffung die Tochter des Curauer Pastors Carl Wilhelm Riedel, Frau Zimmermann, entscheidenden Anteil hatte.

Das Äußere der Curauer Kirche ist in den Jahren 1969 bis 1970 renoviert worden; unter anderem sind etwa 20 000 Steine einzeln herausgenommen und ersetzt worden. Bis 1972 wurde auch der Innenraum sorgfältig restauriert. Wegen der Brandkatastrophen sind kaum ältere Kunstwerke erhalten, mit Ausnahme eines vergoldeten Silberkelchs aus dem Jahre 1454 und einer silbernen Taufschale von 1763.

Der in Holz gearbeitete Kanzelaltar ist ein Werk einheimischer Künstler und seit 1828/29 nahezu unverändert geblieben.

Zur Kirchengemeinde Curau gehört eine lange Liste der dort tätig gewesenen Pastoren.


Johannes Leonysius               1583  - 1588

Hinrich Bäring                       1588  - 1615

Georg (Prätorius) Voigt          1615  - 1653

Stephan Ebio                          1653  - 1666

Georgius Lohmann                1667  - 1686

Matthias Ebio                         1687  - 1705

Philipp von Acken                 1705  -1732

Marcus Förtsch                      1732  -1757

Karl Wilhelm Volckmar         1757  - 1790

Christian Bahnsen                  1791 - 1810

Markus Friedrich Wichmann  1811

Johann Christoph Spies          1812  - 1848

Friedrich August Gleiß           1849  - 1876

Carl Wilhelm Riedel               1876  - 1907

Johann Georg Axen               1908  - 1916

Dr. Christian Greiß                 1916  - 1928

Bernhard Ramsauer               1928  - 1933

Martin Emil Zietz                   1934  - 1944

Walther Plumhoff                  1945  - 1945

Konstantin Neumann             1945  - 1969

Frank Lorenzsonn                  1970  - 1985

Hans- Joachim Merker           1985

 


 

Quelle: unbekannt